Es ist schon mehr als zwanzig Jahre her (oh Gott, komm ich mir alt vor, weil ich das schreiben kann), dass ich meinen Großeltern und meiner Großtante Briefe in Sütterlin geschrieben habe. Irgendwann schlief das Sütterlin schreiben allerdings ein – bis auf das gelegentliche Kritzeln des Namens.

Vor ein paar Jahren habe ich mir dann auf einer Messe eine Sütterlin-Schreibschule gekauft, mit Schreib- und Leseübungen und Linienblock. Ihr könnt es euch vielleicht denken – auch das lag eine ganze Weile ungenutzt rum. (Hui, das wird dieses Mal ein langer Einstieg, aber ich verspreche, wir nähern uns dem eigentlichen Thema.)

Mit meinem neuen Tablet (und vor allem dem dazugehörigen Stift) haben sich mir ganz neue Möglichkeiten hinsichtlich Kalligrafie und Handlettering erschlossen. Und so hab ich in den letzten Wochen und Tagen ein bisschen mehr rumgekritzelt als sonst, und auch die Schreibschule wieder aus dem Regal gezogen und ein bisschen was zusammengetüddelt. Dann kommen wir jetzt mal zum eigentlichen Inhalt.

Was ist Sütterlin?

Die Sütterlinschrift (oder einfach nur Sütterlin) wurde 1911 von Ludwig Sütterlin als Ausgangsschrift für Preußen entwickelt. Sie ist eine einfachere Variante der deutschen Kurrentschrift, die speziell auf Schreibanfänger*innen ausgelegt ist. Im Gegensatz zur Kurrentschrift sind Ober-, Mittel- und Unterlängen gleich lang, die Formen vereinfacht und die Buchstaben aufrechter. Außerdem wurde Sütterlin mit einer Gleichzugfeder geschrieben, das heißt die Strichstärke ändert sich bei wechselndem Druck oder Schreibrichtung nicht. Sütterlin sieht damit nicht so fancy aus wie Kurrent, aber wenn man eine andere Schreibschrift lernen möchte, ist sie ein guter Einstieg. 1915 wurde Sütterlin in Preußen eingeführt, 1935 in einer leicht überarbeiteten Form (leichte Schräglage, weniger Rundformen) als Deutsche Volksschrift etabliert. 1941 war es durch den Normalschrifterlass allerdings schon wieder vorbei mit Sütterlin.

In den Artikeln, die ich über Sütterlin gelesen habe, stand ganz oft, dass die Schrift zumindest projektweise noch in Schulen gelehrt wurde, aber ich kann mich nicht erinnern, dass wir das gemacht haben. In der vierten Klasse hatten wir lediglich das Schreiben mit Tinte und Feder. Ich glaube, die liegt hier sogar noch rum … So, jetzt kommen wir aber endlich zu den Schrifttafeln, mit denen ich mich abgemüht hab.

Das Sütterlin-Alphabet

Eines muss ich gleich vorweg nehmen: Ich habe mir Mühe beim Schreiben gegeben, aber ein paar Eigenarten lassen sich nach 26 Jahren dann doch nicht mehr so leicht ausbügeln. Die Rundformen gelingen mir nicht immer ganz so rund, aber ich glaube, es ist nicht ganz weit ab vom Schuss.

Auf der Download-Seite findet ihr nicht nur den Link zu dieser Übersicht im PDF-Format, sondern auch verschiedene Blätter, um die einzelnen Sütterlin-Buchstaben und -kombinationen üben zu können. Außerdem gibt es linierte Blätter für freies Schreiben, sowohl im Hoch- als auch im Querformat.

Welche Eigenarten es bei Sütterlin gibt, ein kleines Glossar und das ganze Tohuwabohu um die zwei „s“ liefern Stoff für ein paar weitere Blogposts.

Bis dahin,

Unterschrift Lena