Jedes Mal passiert es wieder: Sobald ich mein Handarbeitswägelchen, die unzähligen Projekttaschen und -beutel, die ebenso zahlreichen Garnboxen und die gefürchtete Kiste der Schande durchsortiere, hadere ich mit meinen WIPs.

Ich bin kein Mensch für Großprojekte. Vielleicht nicht einmal für mittelgroße Projekte. Um ehrlich zu sein, fällt mir oft sogar die zweite Socke extrem schwer. Ein neues Projekt ist irgendwie immer schöner und spannender als das, was gerade auf den Nadeln ist – selbst, wenn es bereits kurz vor der Vollendung steht. Außerdem bedeutet ein neues Projekt auch neues Garn und hey … neues Garn!
Und selbst, wenn man ein Jahr durchhält und keine neue Wolle kauft (Wollladeneröffnungen ausgenommen), ist da immer noch so viel Garn, das doch jetzt endlich mal verbraucht werden müsste. Also werden mit dem guten Vorsatz, den Wollberg nun wirklich abzubauen, neue kleine Projekte angeschlagen, denn irgendwie müssen die ganzen Einzelknäuel ja aufgebraucht werden, die in den Kisten ihr Dasein fristen. Es wird an eigenen Designs rumgetüftelt, die irgendwann zum Stillstand kommen, weil man auf das Häkelmandala, das man „Summer Denim“ getauft hat, im Oktober einfach keine Lust mehr hat.

Ich hab auch keine Lust mehr auf Granny Squares in Olive-Pflaume-Waldgrün. Auf 192 mal das gleiche Motiv in einer Farbkombi, die mir vor zwei (oder sind es sogar schon drei?) Jahren gefallen hat, aber die ich jetzt einfach nicht mehr sehen kann. Es scheint, als schwirrten überall im Netz nur noch wunderschöne Häkeldecken herum, die mit ihren Farbkombis aus Cremeweiß und Pastell oder Lichtgrau und Edelsteintönen sogar die schlichten Granny Squares unglaublich toll aussehen lassen. Warum noch mal wollte ich Anthrazit und ein etwas fröhlicheres Flecktarn kombinieren? Wegen der Schmutzunempfindlichkeit? Ganz ehrlich, darauf kommt es bei den beiden „Ich-gehe-extra-mit-Schlammpfötchen-über-den-frisch-gewischten-Boden-und-male-Pollock-Bilder-mit-geköpften-Mäusen-Mitbewohnern auch nicht mehr drauf an. Nicht, dass ich nicht auch extra Sockenwolle ausgesucht hätte, weil ich etwas Pflegeleichtes und leicht Waschbares haben wollte.

Bei meiner Aufräumaktion habe ich deshalb (gar nicht mal so schweren Herzens) die Entscheidung getroffen, Projekt 192 für gescheitert zu erklären. Vor ein paar Monaten hatte ich zwar noch einen kurzzeitigen Motivationsanfall, habe die Decke umstrukturiert und weitere Motive gehäkelt, aber dabei ist es auch geblieben. Zwischendurch habe ich sogar zwei von den dunkelgrauen Knäueln für ein paar Socken abgezweigt – über die Ferse der ersten bin ich allerdings nicht hinaus gekommen. Eigentlich ein eindeutiges Zeichen, dass ich auch zu diesem Zeitpunkt schon mit der Decke abgeschlossen hatte.

Natürlich ist es schade um die Arbeit, die ich bereits in die Decke gesteckt habe. Und auch das Garn, das schon zu Granny Squares verarbeitet wurde, ist wohl nicht mehr wirklich zu verwerten. (Oder lohnt es, die vielen relativ kurzen Garnabschnitte zurückzugewinnen?) Aber hey, dunkelgraues Garn kann man immer gebrauchen und die bunten Knäuel werde ich bestimmt noch irgendwie los. Sockengarn geht immer. Schauen wir mal, was ich mit den fertigen Motive anstelle.

Das soll es jetzt aber auch mit dem Abgesang auf die Häkeldecke gewesen sein. In meinen Ravelry-Projekten habe ich sie schon auf „frogged“ gestellt, zusammen mit ein paar anderen, die nun endgültig aus der WIP-Kiste verschwunden sind.

Manchmal muss man einfach ribbeln.

Bis dahin,

Unterschrift Lena