Operation Schlumpfleder

Sie begann vielversprechend und doch mündete „Operation Schlumpfleder“ schließlich wenig erfolgreich. Aus der blau gefärbten Essig-Tee-Mixtur und der Kombucha-Kultur ist zwar durchaus ein gewebeartiges Etwas entstanden, doch konnte das Endresultat wenig überzeugen.

So sah das ganze zwei Tage nach Beginn am 01.03. aus:

Erste Fäden von was auch immer sind zu erkennen und es blubbert ein bisschen.
Schon nach kurzer Zeit musste jedoch die Handtuchabdeckung weichen. Nicht nur, weil sie mir natürlich halb reingefallen ist, sondern weil eine offen stehende Schale mit Essig nun mal Essiggeruch verströmt, der im Laufe der Zeit (die Bakterien sollten mindestens drei Wochen lang wachsen) sicherlich noch einen ausgeprägteren Charakter entwickelt hätte. Da die Kuchenabdeckungen jedoch einen Hauch zu klein waren, musste schließlich eine umgedrehte Plastikbox herhalten.
Ein Tellerchen mit Kaffeepulver sollte später noch als Geruchskiller dienen.
Die Abdeckung wurde zweimal am Tag geöffnet, damit die Bakterien ein wenig frische Luft schnuppern konnten und der Deckel durch die sich entwickelnden Gärgase nicht raketenartig in die Luft geschossen wurde.
In seiner kleinen Biosphäre entwickelte sich Lennard das Leder (danke Carina für diesen inoffiziellen Projektnamen) munter vor sich hin. Von der „Mutterkultur“ ging das faserähnliche Gedöns aus, das sich an der Oberfläche langsam zu einer geschlossenen, zart himmelblauen Schicht verband. Werden Schlümpfe eigentlich lila, wenn sie einen Sonnenbrand bekommen?
Vielleicht habe ich jedoch an dieser Stelle das Experiment negativ beeinflusst, denn ich habe die Gewebematte hin und wieder mit einem Holzstöckchen angestupst und wieder unter die Oberfläche gedrückt, um die darunterliegenden Luftblasen zu entfernen. Auf der zunächst glatten Oberfläche drückte sich nach einigen Tagen die Mutterkultur durch, sodass in der Mitte eine unregelmäßige Kreisform entstand. Ich hoffte, dass diese durch das Trocknen vielleicht wieder verschwinden würde.
Theoretisch hätte Lennard mindestens bis zum vergangenen Samstag, den 21.03., wachsen sollen, besser sogar noch eine Woche länger, doch ich fand, dass seine Zeit bereits am 18.03. gekommen war:
Zum Glück hat es uns nicht im Schlaf getötet und verspeist.
Nach drei bis vier Wochen in ihrer Ursuppe hätte die Gewebematte ca. 2 cm dick sein sollen, was sie zumindest am Rand und in der unschönen Mitte war. Nun hieß es, das glibberige Etwas gründlich zu waschen. Nachdem der Essigsud weggekippt war und das Teeleder seinen ersten Waschgang durchlaufen hatte, fiel mir daran auch kein starker Essiggeruch mehr auf, aber vielleicht haben meine Geruchssensoren nach diesem Overkill auch einfach abgeschaltet.
Auf einem Holzbrett hätte Lennard dann in dieser Form trocknen sollen:
Äh, joah… Na ja…
Hätten die Schlümpfe ihren eigenen Dr. Frankenstein gehabt, hätte der sicher was damit anfangen können. Wie ganz gut zu erkennen ist, ist das Teeleder am Rand sehr viel dicker und wirft zudem Blasen. Die einzelnen Schichten, die in der Schale durch ihre unterschiedlich starke Blaufärbung erkennbar waren, waren leider nicht auf der gesamten Fläche miteinander verbunden, sodass Lennard sein tragisches Ende schließlich als zerrupfter Fetzen fand:
Nee, nicht wirklich…
Vielleicht hätte sich Lennard ohne Ostereierfarbe oder Anstupsen besser entwickelt, aber selbst wenn ich ein ebenmäßiges Stück Schlumpfleder erhalten hätte, überzeugt mich dieses neue Material nicht wirklich. Es gehört nicht unbedingt zu den praktischen Eigenschaften eines Kleidungsstück, wenn es sich beim Kontakt mit Flüssigkeit sofort vollsaugt und auf ein Vielfaches der Materialstärke anwächst. Und auch der Menschenhaut-Look ist zumindest für mich nicht wirklich das Wahre.
Die Akte Lennard wird deshalb endgültig geschlossen und die Operation Schlumpfleder als Fehlschlag eingestuft.
Der beste Ehemann von allen fragt sich bereits, wann ich mein nächstes Experiment starte. In den kommenden Wochen werde ich mich jedoch erst einmal wieder dem Cape und meinem Glitzer-Stickprojekt widmen. Dann ist ja auch schon bald wieder Ostern, für das ich mir bereits eine kleine Überraschung überlegt habe. Ich sage nur so viel: Es wird gülden…
Bis dahin!

2 Comments

  1. Wow, das ist ja toll. Zum einen, dass du es schon probiert hast, zum anderen, dass ich es nun evtl. nicht mehr probieren muss – denn ich hatte vor allem gehofft, dass das Ergebnis tatsächlich wie Leder ist. Aber etwas schwammartiges, das brauche ich auch nicht. Danke fürs Bescheidsagen!

Kommentar verfassen